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Ein Jahr nach dem Erdbeben

 

Ein Jahr nach dem Erdbeben begannen in Haiti die Gedenkveranstaltungen. Die politische Instabilität macht den Wiederaufbau schwierig.

 

Port-au-Prince/Brüssel. Ein Jahr nach dem verheerenden Erdbeben in Haiti ist in dem verarmten Karibikstaat immer noch kein Ende der Misere in Sicht. Vor allem die politische Instabilität nach der umstrittenen Präsidentschaftswahl Ende November erschwere die internationale Hilfe, erklärte die Europäische Union am Dienstag. Nach Einschätzung der Vereinten Nationen hat zudem die Cholera-Epidemie ihren Höhepunkt noch nicht erreicht.

 

Durch den Erdstoß wurden mehr als 225.000 Menschen getötet; 2,3 Millionen Menschen wurden obdachlos. Die Bemühungen beim Wiederaufbau müssten „enorm beschleunigt“ werden, sagte die Sprecherin des Uno-Büros für die Koordination humanitärer Angelegenheiten (OCHA), Elisabeth Byrs. Es gebe noch Arbeit von „Monaten, wenn nicht gar Jahren“.

EU-Außenministerin Catherine Ashton und die für Entwicklung und humanitäre Hilfe zuständigen Kommissare Andris Piebalgs und Kristalina Georgieva zeigten sich in Brüssel in „großer Sorge“ über die Lage in dem Karibikstaat. „Die derzeitige Instabilität verhindert, dass die humanitäre Hilfe der EU bei den Bedürftigen ankommt, und verlangsamt und erschwert den Wiederaufbauprozess“, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung.

Nach EU-Angaben sagten Kommission und Mitgliedstaaten vergangenes Jahr knapp 1,3 Milliarden Euro für den Wiederaufbau zu. Ein Teil davon wurde bereits ausgegeben. Hinzu kam Soforthilfe etwa für Zelte und Medikamente, für die allein die Kommission 120 Millionen Euro bereitstellte. Dennoch sei die Lage „bei weitem noch nicht zufriedenstellend“ und habe sich unter anderem wegen der Cholera-Epidemie in mancherlei Hinsicht „sogar noch verschlechtert“.

Die Zusammenarbeit mit den haitianischen Behörden sei nur möglich, wenn „Stabilität und eine funktionierende Demokratie im Land gewährleistet sind“, hieß es weiter. Ashton, Piebalgs und Georgieva forderten Haiti auf, dafür zu sorgen, dass die Stichwahl um die Präsidentschaft frei und transparent ablaufen müsse. Der erste Durchgang war von Zwischenfällen und Betrugsvorwürfen überschattet worden. Der Termin für die Stichwahl steht noch nicht fest.

Die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) kommt nach Angaben eines Uno-Diplomaten in einem noch unveröffentlichten Experten-Bericht zur Neuauszählung der Stimmen zu dem Schluss, dass sich der Regierungskandidat Jude Célestin aus der Stichwahl zurückziehen sollte. Für ihn solle der Drittplatzierte Michel Martelly in das Rennen gegen die frühere First Lady Mirlande Manigat gehen.

+++ Uno-Experten untersuchen Ursache für Cholera in Haiti +++

Neben der ungewissen politischen Zukunft leidet Haiti weiterhin unter der seit Monaten grassierenden Cholera-Epidemie. „Wir glauben, dass der Höhepunkt nicht erreicht ist“, sagte die Sprecherin der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Fadela Chaib, in Genf. Dank der verbesserten medizinischen Versorgung sei die Sterberate jedoch stark gesunken. Bislang sind in Haiti mehr als 3600 Menschen an der hochansteckenden Durchfallerkrankung gestorben, mehr als 171.300 Menschen wurden infiziert.

 

 

New York. Die Vereinten Nationen haben ein Expertenteam zur Untersuchung des Cholera-Ausbruchs in Haiti gebildet. Es sei sowohl für die Uno als auch für die Bevölkerung Haitis wichtig zu wissen, wie die Epidemie ihren Ausgang nahm, erklärte Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon. Das vierköpfige internationale Team unter Leitung des Mexikaners Alejandro Cravioto werde "alle verfügbaren Informationen und Daten auswerten und nach Haiti reisen, um dort vor Ort Nachforschungen anzustellen.“

Seit dem Ausbruch der Cholera Mitte Oktober sind nach neuesten Angaben in Haiti 3650 Menschen an der Krankheit gestorben, rund 150.000 Menschen steckten sich an. Die Krankheit ist hochansteckend und verbreitet sich vor allem über Wasser und Nahrung, verursacht heftigen Durchfall und Erbrechen und kann innerhalb kurzer Zeit zum Tod führen, wenn sie nicht rechtzeitig behandelt wird. Der Ausbruch rief in dem Karibikstaat teils gewalttätige Proteste gegen die dort stationierten Uno-Truppen hervor. Ihnen wird vorgeworfen, die Krankheit eingeschleppt zu haben. Die Uno versprach im Dezember, ein Expertenteam zu bilden, um die Vorwürfe aufzuklären.

Ban betonte nun, die Experten würden "vollkommen unabhängig“ arbeiten. Sie hätten Zugang zu allen Berichten, Einrichtungen und Mitarbeitern der Uno. Ihr Abschlussbericht soll sowohl Ban als auch der haitianischen Regierung vorgelegt werden.

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Tags: Haiti, children, help, hilfe, unicef

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